Die Nacht der Rettung der „Ponte Vecchio“

Im August 1944 versuchte die sich zurückziehende deutsche Armee, den Vormarsch der britischen 8. Armee nach Florenz zu verzögern.  In der Nacht vom 3. auf den 4. August wurden alle Brücken der Stadt gesprengt, mit einer Ausnahme: die Ponte Vecchio. Die älteste und berühmteste Brücke in Florenz aus dem Jahr 1345 bleibt von der Zerstörung verschont, und für dieses ganz besondere Ereignis werden mehrere Erklärungen gegeben. Die „sensationellste“ bezieht sich auf eine Entscheidung des „Führers“ selbst: Hitler wollte die Brücke und den Vasarianerkorridor, die ihn bei seinem Besuch in Florenz so fasziniert hatten, verschonen. Eine andere Version schreibt dem deutschen Konsul in Florenz, Gerhard Wolf, einem großen Liebhaber der Philosophie, Literatur und Kunstgeschichte, eine grundlegende Rolle zu: Eine von den Florentinern an der Brücke angebrachte Gedenktafel erinnert noch heute an sein Engagement, die Brücke sowie zahlreiche jüdische Familien vor der Deportation zu retten. Einer neueren Studie zufolge waren tatsächlich zwei Florentiner die Urheber der Rettung: Zwei Arbeiter der Goldschmiedewerkstätten identifizierten und neutralisierten die Auslöser der von der deutschen Armee am Fuß der Brücke platzierten Sprengstoffe (Maria Cristina de Montemayor (Hsg) Di pietra e d’oro Il ponte vecchio di Firenze: sette secoli di storia e di arte, 2016).

Auf jeden Fall empfängt uns dieses wunderbare Zeugnis der Geschichte von Florenz auch heute noch intakt mit seinen schönen Goldschmiedewerkstätten. Hinter mir kann man die Brücke sehen, genau 76 Jahre nach jener schicksalhaften Nacht, in der alle anderen Brücken der Stadt zerstört wurden, und mit ihnen die mittelalterlichen Viertel und die antiken Türme in der Nähe der Ponte Vecchio. Ich sitze auf der Brüstung der Ponte Santa Trinita, einer Brücke, die von Michelangelo entworfen und 1571 von Bartolomeo Ammannati im Auftrag von Cosimo de Medici gebaut wurde. Die von Bomben weggefegte Brücke Santa Trinita wurde in den 1950er Jahren auf Wunsch der Florentiner genau so wieder aufgebaut, wie sie vor ihrer Zerstörung war, wobei viele aus dem Flussbett des Arno geborgene Steine verwendet wurden. Sogar die vier allegorischen Statuen, die die vier Jahreszeiten darstellen und auf beiden Seiten der Brücke aufgestellt waren, wurden geborgen, nur der Kopf der „Primavera“ wurde 1961 geborgen und an seinen Platz gesetzt.

 

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